Und nun, da es endlich Nacht ist und friedlich regnet (Regen ist Frieden, wenn er leise fällt und ausgiebig ist, als lege er sich fest) und ich zuhause bin und lausche, verstehe ich das erste Mal seit Tagen wieder etwas mehr. Die Unruhe des fernen Schreckens, der als ein naher empfunden wurde, wirkte stark. Erschütterung in diesem Weltenteil (Europa), der sich abgeschlachtet und ausgeschaltet und ständig und anhaltend totgebrüllt hat und die Konzepte entwarf für Leben, Werden, Sterben und Tod. Wir sind doch die Kinder und Enkel dieses Negierens und Agierens gegen einen angeblichen oder wirklichen Feind und wissen, wohin das führt. Wenn also im total demolierten und wiederauferstandenen Europa, das sich in die Nähe der Bedeutungslosigkeit bekriegt hat (damals), eine Stadt, die verführerisch und verworfen ist, bizarr und bezaubernd (noch immer), divenhaft und kapriziös — wenn in einer solchen Stadt, die zu einem Halbteil Legende ist, zu anderen Gutteilen jedoch lebt und sich wandelt und Fluchtpunkt ist für viele, viele Geschichten — wenn in einer solch bedeutenden Stadt die Todesschwadronen auftauchen, hat das ein Echo, und wir verstehen diesen Laut ausgezeichnet. Daher das Gedrückte der Tage seit Freitag, eine Verstimmung und Niedergeschlagenheit, als sei nichtig, was man täglich tut. Bemerkenswert, daß einige tatsächlich anzunehmen scheinen, sie lebten wie zuvor und die Ereignisse vom 13.11. tangierten sie nicht. Eine solipsistische Fehldeutung, die freilich rührt. Es ist überall und hat sich in winzigen Partikeln festgesetzt. Wir wissen nun, was zuvor lange Zeit nur zu ahnen war. Paris hat in Teilen gezahlt. Aber wer stellt hier Rechnung in welcher Währung und Höhe? Wer bitte zahlt noch, und wozu eigentlich? Hölle auf Erden, ständig irgendwo. Es pestet der Wahnsinn sich um und aus. Tiefer und tiefer sinken, bis der nächste Blutzoll entrichtet ist. Alle sind dran. Erbhandlungen und Vollstreckungen eines unbefriedeten, weil nicht festgestellten Wesens namens Mensch, das Anlehnung sucht und Gewißheit und ständig ins Leere faßt. Das ist ja kaum zu ertragen, und doch werden wir es ertragen. Weil wir müssen, weil wir es können. Siehe die Vorfahren, robuste Leute offenbar.
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