Wenn sich die Wörter nicht finden lassen, mußt du warten. Sie sind woanders beschäftigt oder wollen nicht zu dir. Das Warten fällt schwer, besonders den Ungeduldigen. Damit das Warten sich lohnt, muß man warten. Sonst ist es umsonst. So gehe ich täglich meine inneren Wege ab und bin bereit. In den letzten Tagen war es sehr schwer, Wörter zu finden. Gestern mochten sie dann zu mir. Als andere einen Film anschauten, schrieb ich in einer stummen Ecke in mein Notizbuch. Was schreibst du, wenn ich fragen darf? fragte einer, der selbst schreibt. Was mir einfällt, dies ist mein Tagebuch, sagte ich, es gibt die Welt und die Wörter. Ich zeigte in den Raum oder nach draußen. Jemand, der das hörte, hob beide Hände und formte sie zu Schalen einer unsichtbaren Waage und wog beides, die Wörter und die Welt, und führte sie nahe aneinander. Ich meine, er wollte sich lustig machen über die, wie er vielleicht fand: pathetische Bedeutsamkeit meiner Aussage. Doch ich bin ihm dankbar, denn das Bild der Waage paßt recht gut und regt an zu weiteren Meditationen, auch über die Gewichte. Heute denke ich an diesen Moment und an meinen Satz und finde ihn nicht pathetisch. Tatsächlich beschreibt er das, was wir machen, wenn wir schreiben oder es wenigstens versuchen. Wir führen die Wörter an die Welt heran und lauschen, was passiert. Wir bitten die Welt in die Wörter und hoffen, daß sie klingt.
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