Leben und lassen

Heute keine Nachrichten aus Politik und Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft, Wissenschaft und Verkehr. Nicht eingekapselt, sondern geschützt vor jener Art von Information, die einen Reiz ausübt, ohne daß mir eine angemessene Reaktion gestattet wäre. Neuigkeiten aus Sphären, die außerhalb meiner Reichweite liegen. Berichte, die meine Aufmerksamkeit beanspruchen, obwohl meine ungeteilte Aufmerksamkeit hier benötigt wird (wo ich tatsächlich bin) – nicht dort, wo ich sein könnte.

Ich könnte „die Welt ändern“, wenn ich mich entschlösse, es zu versuchen? Zum Glück kann ich es nicht. Von wem wurde das verlangt? Wer stellt an sich oder andere eine solch anmaßende Forderung? Die Welt verbessern … Großer Gott, nein! Sie ist perfekt. An „der Welt“  ist nichts falsch. Einzig die Maßnahmen der Menschen, sich in ihr einzurichten, verdienen eine kritische Inspektion. Sie betrifft die einzelnen Kulturen und ihren Umgang mit allem, was lebt; sie betrifft auch mich und meine Art zu leben.

Hier lasse ich mich abholen, nicht dort. Ich kann nicht über ein Leben nachdenken, das ich nicht lebe. Niemand sitzt Gericht über irgend jemanden, außer denen, die zu Gericht sitzen müssen, weil eine „Ordnungseinheit menschlichen Handelns“ namens Staat sie dazu ausbildet, auswählt und bezahlt. Die können es ja mal versuchen, und später werden sie berichten, wozu das führte und ob es fruchtete oder Schlimmeres zu verhindern half.

Ich mag Menschen, die ihr eigenes Leben führen.


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