Wochenend und Sonnenschein. Die Tage liegen ausgebreitet wie Tafeln der Freude, gedeckt mit den Köstlichkeiten unserer Breiten: frischem Blattgrün, feinstem Blütenstaub und ozeanischem Himmelsblau. Da läßt sich gut ausschreiten, da reißt es einen aus der Hülle der grauen Tage. Mit so viel Lebenserlaubnis ausgestattet waren wir lange nicht mehr. Sie ist eine Lizenz zu lässigem Schlendern und einer sinnlichen Neuvermessung von Stadt, Land, Fluß und Berg. Nur hinaus ins Gratisschön des irdischen Lebens, das sich aufputzt zu erneutem Beginn. Die Wesen scheinen froh und munter, und wenn ich der Kohlmeise lausche, weiß ich, daß sie davon ausgeht, daß es eine ganz große Saison wird. Die alte Bangigkeit weicht allmählich und wirkt nun wie ein Paar abgetragene Hosen aus einer Zeit totaler Rückständigkeit. Niemand sieht dem Winter nach, der mit seinem alten Feldmantel und in schweren Stiefeln hinter der nächsten Ecke verschwunden ist und sich nicht einmal mehr umgesehen hat. Dann macht mal schön, soll er noch geknurrt haben.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.