Während sich die Medienleute und die Universitätsleute mit Donald Trump herumschlagen, weiß ich, daß er der Onkel ist, den es in jeder Familie gibt: großspurig, laut, anzüglich. Kein schlechter Kerl eigentlich, doch irgendwie mißraten. Nichts an ihm sitzt richtig. Das Benehmen paßt nicht zur Kleidung, der Ring am Finger ist zu protzig, die Krawatte zu bunt. Jetzt steht er am Tresen und unterhält eine kleine Gruppe von Stehtrinkern. Den Frauen, besonders den jüngeren, will er imponieren, die Männer ausstechen. Daß er ein toller Hecht ist, sollen sie wissen. Fragt man ihn um Rat oder Hilfe, wird er helfen. Daß er stets besser weiß, wie alles geht: das Leben, das Lieben, das Erfolgreichsein – das muß man ihm lassen, sonst wird er deutlich und gemein. Während man ihn reden und gestikulieren und grimassieren sieht, steigt Mitleid auf. Warum hast du das nötig? Eigentlich möchte man ihn abführen und trösten, in einem anderen Raum, um dort das erste Mal wirklich mit ihm zu sprechen, ohne Zuschauer und ohne die übliche Show. Doch das kann nicht geschehen, denn er ließe es nicht zu. Er ist ein notorischer Aufschneider, er ist diese leere Figur. Dahinter als Rest klägliches Elend, ein entsetzlich nagender Minderwertigkeitskomplex. Warum nur mußt du ständig auftrumpfen? Warum machst du alles laut und grell und zertrittst jede Stimmung? Ich bin der, sagt er jovial, der dafür sorgt, daß wir hier Stimmung haben. Sieh dir mal diese Leute an, sagt er, alles Familie, brave Menschen, die hart arbeiten – aber eigentlich ziemliche Lahmärsche. Er zuckt mit den Schultern und setzt sein abgenutztes Lausbubenlächeln auf, als wollte er sagen: Ich kann nicht anders, ich kann nichts anderes, ich bin so. Tut mir leid.
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