Große Stadt 4: Sie nimmt sich

Ich lebe schon lange hier, aber erst seit zwei oder drei Jahren kann ich von mir behaupten, ein halbwegs routinierter Großstädter geworden zu sein. Ich weiß nicht, ob das gut für mich ist, denn es nimmt mir auch etwas. Seit zwei oder drei Jahren nämlich schaue ich nicht mehr jedem, der mir entgegenkommt, ins Gesicht. Bis dahin tat ich das. Verhalten eines Dörflers, der gleich grüßen muß. Zudem meine Neugier auf Menschen, meine Freude an Gesichtern, mein Geschichtenerfinden zu diesen Gesichtern. Gesichter betrachten und lesen wie ein Gemälde. Denn auch Gemälde werden gelesen. Ich habe nicht aufgehört zu lesen, doch ich tue es seltener. Vielleicht hat die Stadt mich etwas ausgeraubt. Sie pflegt sich zu nehmen.


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