Ist es möglich, ein Jahr räumlich aufzufassen? Ja, das ist möglich. Wie in langer Flucht stehen die Monate, die Wochen, die Tage, die Stunden, die Minuten, die Sekunden, die Augenblicke bereit und warten auf den Eintritt dessen, was passiert. Zum Ende des Jahres wird mir der Flur der vorliegenden Zeit eng. Ich spüre Tage zuvor die Luftverknappung vor der schmalen Tür, durch die alle Menschen unserer Zeitrechnung gemeinsam hindurchpassen müssen. Das ist ein Gedrängel und Geschubse, als kontrollierten sie dort den Einlaß ins Neue Jahr. Das Neue Jahr ist der Raum dahinter: ein Tanzsaal, eine Werkhalle, ein Platz des irdischen Friedens, ein Schlachtfeld der irdischen Interessen, eine Steppe, ein Wald, ein See, eine Stadt, ein Dorf, ein Ozean, ein Fluß, ein Großraumbüro, eine Baustelle, eine Anstalt, ein Kreißsaal, ein Friedhof, eine Wiege, ein Grab. Die Enge vor der Pforte ist körperlich. Ich stoße an Menschen wie an scharfe Gegenstände und es schmerzt. Ich möchte fliehen und kann nicht. Ich möchte fliegen und kann nicht. Ich kann nicht einmal sprechen, handeln sowieso nicht. Ich verliere mich vor dieser Pforte Jahr für Jahr, drehe mich um selbst wie in einer absurden Tanznummer, fühle mich allein und idiotisch hilflos. Endlich beginnt dann das Geknatter, alle stürzen in wilder Flucht hinüber in den lautuntermalten Saal, und dann beruhigt sich das Ganze, und ausgeknockt von all dem Streß rapple ich mich zusammen und mache weiter mit dem, was mein Leben will und kann.
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