Tote Köpfe aus Stein

Jedesmal am blöden Brunnen bin ich soweit. Ich muß weiter, möchte aber stehen bleiben und fragen. Ich möchte nicht nur stehen bleiben und fragen, sondern auch ausharren und auf die Antwort warten. Denn sicher kommt sie. Ich muß nur auf den blöden Brunnen schauen. Der schämt sich seiner oder könnte es, müßte es tun. Dabei ist er lediglich angerichtet, Material. Erstarrte Materie nach Willen und Können und Idee eines Schöpfers. Blöder Brunnen, häßlich wie ohne Vergleich. Nächsten Sommer werde ich dort in eine Sitzung eintreten und der Erstarrung etwas entnehmen, meditativ und tödlich wie eine Wahrheit. Bis dahin improvisiere ich und nenne die Gegend vorsichtig. Tauche ich auf in Zusammenhängen, in die ich nicht gehöre, geschieht meistens Seltsames. Plötzlich und wie wach weiß ich, wer ich bin. Erstens: nicht dies. Zweitens: immer noch unterwegs und zu Recht. Solange man nicht angekommen ist, stellt man sich unter. Ist man eines Tage angekommen, fragt man sich sicher, wo.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Tote Köpfe aus Stein

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert