Macht des Vertrauens

In einer Welt ohne Vertrauen kann niemand leben. Es ist vermutlich das kostbarste Gut, das Lebewesen miteinander teilen. Darauf, daß ich mich verlassen kann, beruht vieles, nahezu alles. Daß man mich nicht in die Pfanne zu hauen gedenkt. Daß man nicht freundlich tut, während hinten herum Feindliches beginnt. Darauf, daß ein Versprechen bedeutet, daß jemand sich daran zu halten gedenkt. Darauf, daß Gefühle nicht vorgespielt werden, sondern wirklich sind oder sein könnten. Darauf, daß ein einmal gegebenes Wort auch gilt. Und so weiter. Man ist geneigt, in solchen Sachen etwas pathetisch und anspruchsvoll zu werden, doch kann man sich auch abregen.

Zum Menschen gehört die Wendigkeit: der mit dem Tier geteilte Opportunismus (offenbar eine Überlebensfunktion). Unsere Schwüre sind in aller Regel nicht viel wert. Wir können sie als Dokumente guten Willens betrachten Auch in Selbstrührung verfallen, wenn wir einmal treuer waren als der ganze trostlose Rest. Dafür gab es kein Abzeichen, dafür gibt es aber später einen positiven Eintrag ins Klassenbuch des irdischen Benehmens. Wir sind leider alle nur halbe-halbe. Moralischer Absolutismus paßt weder in diese noch in eine andere Welt. Hängen wir uns nicht aus dem Fenster. Wir müssen Vorlieb nehmen mit unserer Mischnatur. Umso mächtiger wiegt dann das Vertrauen.


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