Regentropfen auf der Fensterbank wie zarte Vertraute, die nicht an die Tür zu klopfen oder die Klingel zu benutzen wagen, sich aber dennoch zu erkennen geben möchten. Ja, ich höre euch, werde aber nicht öffnen, denn ich möchte bei mir sein und für die nächsten Stunden bleiben. Den Blick hinaus spare ich mir für später auf, wenn ich den Graueinfall besser vertrage. Derzeit bin ich noch mitgenommen von einem Traum, der mich auf eine Steppenpiste lotste, auf der Elfenbeinjäger den letzten Elefanten jagten. Ich war für das Fernsehen dabei, man wartete im Sendezentrum auf den Bericht. Die Jagd endete entsetzlich. Das Tier verendete vor den Kameraobjektiven der Weltpresse, niemand griff ein. Wir filmten nur. Dann sprangen sie auf den noch warmen Leichnam und tanzten, holten die Sägen und machten sich ans Werk. In Baltimore brennt die Stadt, die Sollbruchstelle des Landes ist längst aufgebrochen. In Nepal die verwüsteten Bergregionen, Hubschrauber für die reichen und zahlenden Bergsteiger. Tausend Leute in den Basislagern, die alle dort hinauf wollten, wo es am höchsten ist, weltweit betrachtet. Das Dilemma besteht darin, daß man selbst auch Mensch ist. Sonst müßte man ausspucken. Ich verstehe den alten Welterklärer sehr gut, der sagte, der Mensch könne allenfalls erträglich gemacht werden, nicht gut. Er ist zu klein oder fühlt sich so, das ist das Problem. Wäre man ein zärtlicher Regentropfen, würde man sich auf seine Stirn legen und langsam nach unten rutschen, so daß alle sehen, daß dieser Mensch weint.
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