Haus, Fassade, Löcher

Da man in einem Haus aufgewachsen ist, wird man irgendwann selbst zu einem. Ein Haus besteht aus einem Grundriß, einem Fundament, den Außen- und Innenwänden, den Türen und Fenstern, Böden und Decken, einem Dach, einem Keller, Anschlüssen und technischer Austattung usw. Das Zweitwichtigste an einem Haus ist die Fassade. Die Fassade ist das, was gesehen wird. Die Fassade muß halten, was immer geschieht. Bricht sie entzwei, gibt es keinerlei Halt. Laß uns so tun, als seien wir normal. Vielleicht fällt es dann niemandem auf. Mit Mitte dreißig sollte man seine Fassade stehen haben. Die Fassade steht für das Haus. Steht das Haus, stehen die Dinge gut. Stehen die Dinge gut, kann man mit ihnen rechnen. Kann man mit ihnen rechnen, stehen die Dinge gut. Ich bin kein Haus, aber in mir nicht obdachlos. Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn etwas richtig ist und schön. Wären meine Freunde nicht, geriete ich sehr in Gefahr. Müßte ich ein Haus sein, dann wäre da ein Garten herum und Gras auf dem Dach und sommers flögen die Schwalben ein und aus.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Haus, Fassade, Löcher

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert