Füße und Rollen

Manchmal sehe ich sie wochenlang nicht, dann nahezu alle Tage. In ihrem Laufgestell tappelt sie über den Gehweg, schnuppert an Hauswänden, in den Eingängen und an Laternenpfählen. Ihr schmaler Körper steckt in zwei miteinander verbundenen Metallringen, der eine ist um die Brust, der andere um den Unterleib gespannt. Am hinteren Ring sind Stützräder montiert, so daß die kleine Hündin, ein hellbrauner Dackelmischling, die Hinterläufe schont. Sie berühren nicht den Boden. Sie zieht ihren Hinterleib hinterher, könnte man sagen. Ihr Anblick erinnert mich an das kindliche Schubkarrenrennen. Tatsächlich ist die kleine Hündin recht schnell und gut gelaunt. Die Besitzerin erklärte mir, die drohende Lähmung sei durchs Treppensteigen ausgelöst worden. Eines Tages könne sie vielleicht wieder ohne Gehhilfe laufen. Während wir uns unterhielten, schnupperte die Invalide an meinem Bein und wedelte. Wenn sie den Kopf hebt, reicht er bis an mein Knie. Sie ist eines der tapfersten Wesen, die ich kenne. Ich nehme mir an ihr ein Beispiel, wenn es mal wieder etwas zu jammern gibt.


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