Der Sportvorstand des VfB Stuttgart, Jan Schindelmeiser, erläutert vor Pressevertretern die einvernehmliche Vertragsauflösung zwischen dem Verein und seinem Fußballangestellten Kevin Großkreutz, der mit Nachswuchsfußballern des VfB in eine nächtliche Prügelei geraten war. Das klingt so:
„Der Kevin weiß, daß er großen Mist gebaut hat. Vor dem Hintergrund, daß er eine Vorbildfunktion hat, ganz allgemein und natürlich gegenüber dem Klub und insbesondere gegenüber unseren jungen Spielern. Dieser Rolle ist er in diesem Fall leider nicht gerecht geworden, und es war klar, es war für beide Seiten klar, daß wir da nicht einfach zur Tagesordnung übergehen können. Wir haben die Gespräche dann in die Tiefe geführt und sind am Ende dann zu dem Entschluß gekommen, daß wir den Vertrag auflösen“, er schluckt, „einvernehmlich auflösen. Kevin hat sich für die Vorfälle bei uns aufrichtig entschuldigt und uns gegenüber zum Ausdruck gebracht, daß er selbstverständlich auch bereit ist, die Konsequenzen zu tragen und das auch so zu artikulieren. Auch wenn der Vertrag aufgelöst ist, ist es immer noch unser Junge.“
Der Sportvorstand, dem die Situation sichtlich unangenehm ist, sitzt vor einem Aufsteller mit den Logos der Sponsoren und Werbepartner des Vereins. Während er über das Fehlverhalten und die Sanktionen spricht, stehen hinter ihm: Lotto Baden-Württemberg, Coca-Cola, Breuninger, Fischer Innovativ Solutions, Mercedes-Benz Bank, EnBW, Gazi, Fanuc, Südwestbank, Kärcher, Krombacher, Puma. Sind das diejenigen, die darüber entscheiden, was vorbildlich ist? Oder ist dieser unsichere Sprecher, der einen erwachsenen Mann wie einen Schuljungen vorführt, das Vorbild? Für einen temperamentvollen Typen wie Großkreutz ist es nicht leicht in einer Besserungsanstalt namens Deutschland, wo einem in Heuchelsprache ein substanzloses Pseudoverständnis entgegengebracht wird. Jeder, der einmal nicht so schwiegersohnbrav war, kennt das. Die Heuchelsprache erfüllt den Zweck, über die kalte Brutalität hinwegzutäuschen, mit der das Unpassende aussortiert wird.
Wenn eines Tages in allen Anstalten (Kindergarten, Schule, Militär, Krankenhaus, Psychiatrie, Verein) die Guten und Braven unter sich sind, werden sie eine Gedenkfeier veranstalten und sich gegenseitig zujubeln. Die Sponsoren und Werbepartner dürfen sich dazuzählen, denn sie erst ermöglichen das Gute. Ohne ihre starke Unterstützung hätte es doch gar keine Gelegenheit, sich zu bilden und zu zeigen.
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