Früher – vor etlichen Jahren – dachte ich, es wäre das Beste für mich, mir eines guten Tages eine abgelegene Blockhütte zu suchen, um dort ungestört und inmitten der Natur nachzudenken und zu schreiben. Ich wollte dort zur Ruhe kommen, denn sicherlich war ich unruhig und fühlte mich getrieben. Das war alterstypisch, doch ich wußte nicht, daß es alterstypisch ist, so zu sein und sich zu fühlen. Man kann sich nicht innerlich beschleunigen, alles braucht seine Zeit. Nun weiß ich schon etwas besser, was ich brauche: hin und wieder die Stille, Zeit für mich allein, die Abgeschiedenheit einiger Tage oder auch nur Stunden. Um zu regenieren und die vielen Eindrücke und Aussagen zu bedenken, einiges nachzufühlen und zu verdauen. Früher – noch gar nicht lang her – war ich nahezu maßlos darin, mir die Sinne vollzuschlagen mit Menschen und Meinungen, Umgebungen und Situationen. Ich fraß die Wirklichkeit, bis sie mich zu fressen drohte. Nun bin ich weiter und weiß für mich, daß ich niemals in dieser Blockhütte am Rande irgendeiner Zivilisation leben möchte, da ich den Austausch mit Menschen brauche. Nach einem oder zwei Tagen Abstinenz fühle ich mich einsam. Es zieht mich zurück zu den Menschen, die ich kenne und schätze, sogar liebe. Warum nicht sagen, daß man sie braucht.
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