Du wirst dich noch

Schreiben wollen. Nicht wissen, was. Demnach Ausschau halten. Ausschau wonach? Nach einem Bild, einem Sinn, einem Vorwand. Die Lyriker können sich an ihre irdische Unerfahrenheit halten, sie macht neu sprechen. Die Haut ist dünn, darunter die feinen Bahnen des Empfindens und Spürens. Das geht gut. Die Welt ist nicht gänzlich entdeckt, persönlich nahezu unentdeckt. Daraus ergibt sich ein heiliger Auftrag, die Berufung. Herzschlag und Erzittern. Impressionismus, Empfindsamkeit, Feinstoffliches. Mit der Routine der intellektualen Weltaneignung versiegt dieser Zugang zur Außersprachlichkeit. Ende der Gnadenstandes. Nun wird es hart und härter, denn die Konventionen und Traditionen wirken ein und knechten, quetschen und zernichten. Diese Tortur nimmt Jahre und möchte noch mehr Jahre, sie zerfleischt den ganz und gar armen Sinn. Man wird nicht entlassen, man entläßt sich schließlich (notgedrungen) selbst. Geschieht dies nicht, ist man praktisch tot. Von nun an ist niemand mehr da, der zu fragen wäre, außer Gott. Also ist man frei. Gesagt wird, was gesagt werden muß. Da man aber nicht töricht ist, erfolgt dies in schöner Reihenfolge. Gut, daß niemand kaufen konnte, niemand bot. Freies Feld, helles Licht, fast zu hell. Ich muß schon lachen, auch wenn ich es nicht zeige. Denn beigebracht wurde mir doch, daß ich das nicht darf.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Du wirst dich noch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert