Manchmal darf es tiefe Nacht werden oder einige Jahrzehnte benötigen. Nichts darf oder sollte einfach so fortgeworfen werden. Man kann nicht alles mit sich schleppen, sonst kommt man nicht voran. Das leuchtet ein. Doch ich bin nicht leichtfertig, ich bin nicht leicht fertig. Deshalb benötige ich Rituale. Da ich nicht Teil einer Glaubensgemeinschaft bin und solches auch fürderhin nicht anstrebe, liegt es in meiner alleinigen Verantwortung, einen Weg des würdigen Abschieds zu finden. Es sind niemals die Menschen, die mich plagen. Es sind die Gegenstände. Denn sie bleiben liegen, hier. Die Hinterlassenschaften, die Vermächtnisse dessen, was einmal wichtig war und zählte. Ich bin nicht sentimental – und bin es doch. Das ärgert mich. Ich könnte kurzen Prozeß machen mit all dem Krempel, ihn auf einen schönen Haufen werfen und anzünden. Ein Freudenfeuer, ein Feuer wärmender Vergangenheit. Ich suche nach einem adäquaten Ritual. Bisher dachte ich, ich müßte einen Gegenstand teuren Angedenkens vor mich legen, ihn sprechen lassen und ihm lediglich zuhören. Ich dachte, damit wäre es getan. Doch der sprechenden Gegenstände sind viele, und die Gegenwart beschwert sich, wenn die Vergangenheit zuviel Platz einnimmt. Sie ist eifersüchtig. Sie ist aktuell, während der Rest historisch ist. Leben ist gegenwärtig. Leben heißt töten, jeden Augenblick. Das kommt von Krishnamurti und soll auch gar nicht trösten.
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