Wenn man erstmal angefangen hat mit den Wörtern und der Sprache, gibt es so bald kein Ende, und schließlich kommt man nicht mehr davon frei. Als finde eine Verlagerung der Gewichte statt, als sei das Schreiben (das Sagen, das Singen) mit einem Mal wichtiger als das Leben (das sonstige Handeln). Ich sah darin eine große Gefahr und hielt mich mehr ans Leben als an das Schreiben. Jetzt weiß ich, daß ich sehr darauf geachtet habe, mehr zu erleben als zu erschreiben. Mein Schreiben (klingt pompös, als bildete ich mir sonstwas ein) sollte nebenher laufen wie ein guter Hund. Tatsächlich schreibe ich seit mehr als dreißig Jahren nahezu jeden Tag, irgendetwas fällt mir immer ein, und dann stecke ich es in eine Kladde. Ich habe mich, anders als üblich, nicht ins „literarische Leben“ gedrängt, weil ich nicht soweit war. Für mich selbst schrieb ich gut genug, aber kaum dachte ich an „die Öffentlichkeit“, krampfte etwas in mir zusammen. Dachte ich beim Schreiben daran, daß dies nun veröffentlicht werden würde, mißlang es. Meine Sätze klangen anmaßend und prätentiös. Kein Wunder, ich wollte den Text aller Texte schreiben. Heute weiß ich (indem ich es fühle), daß das ganz und gar unnötig ist. Da ich nun schon ziemlich viel gelebt habe, kann ich die Gewichte ganz sachte verlagern, zugunsten des Schreibens, des Sagens und Singens. Mich beschäftigt das sehr und ich freue mich auf die neuen Abenteuer und bin auch etwas aufgeregt.
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