Der vierte Tag

Im Garten, Zurückschneiden der wuchernden Pflanzen. Die Disteln sind mürbe und trocken, die Brennhaare der Brennesseln noch wirksam. Als Kinder fürchteten wir die Brennesseln, Spielkameraden rupften sie aus und verfolgten einander. Es wurde viel Geschrei veranstaltet, ich fand das widrig. Leute ärgern – worin besteht da das Vergnügen? Kinder sind grausam, heißt es. So spielen sie sich ein in die gesellschaftliche Hackordnung. Es gibt die Gequälten und Geschundenen, an sie kann man sich richten, wenn von den Bedingungen des Lebens und der Natur des Menschen die Rede ist. Immer mehr begreife ich, daß der Mensch ein hochaggressiver Prädator ist, ein Beutejäger und Räuber, der sich in seiner langen Entwicklungsgeschichte an die Spitze der Nahrungskette vorgearbeitet hat. Ein Einzelner benötigt sehr viel Sozialisation, um wenn schon nicht gut, so immerhin „erträglich“ zu werden, wie das Peter Scholl-Latour, der misanthropische Reporter, einmal ausdrückte. Andererseits gibt es die entzückenden Menschen, die so freundlich, zuvorkommend und ohne Arg sind, als wollten sie das, was die anderen verbockt haben, wiedergutmachen; ja, mehr als das: als zeigten sie uns, wie es gut geht, Leben.


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