Wieder der Regen, erfrischend, beharrlich, besänftigend. Im Süden Europas jene Hitze, die Empfindungen konzentriert und Bewegungen minimiert. Einmal hing ich fest im Kessel von Mostar, keine Luftbewegung. Begegneten sich Menschen, sagten sie: Es ist heiß, sehr heiß. Mehr gab es nicht zu sagen, es reichte auch aus. Nachts war nicht zu schlafen, kein Durchzug irgendwelcher Luftmassen; nicht einmal ein Hauch. Die Wetterlage stand wie eine unumstößliche Tatsache. Wir suchten Deckung unter rankendem Weinlaub, der Boden wurde besprengt, das sollte Verdunstungskälte erzeugen. – Auch deshalb liebe ich den Regen, er klingt zuversichtlich, unbeirrt, entschlossen. Er kann auch nachlassen – das ist wichtig. Was nicht nachläßt, ist penetrant, menschlich betrachtet. Die Pflanzen möchten trinken, die Spatzen auch. Wir möchten nicht verdursten, wir brauchen gutes Trinkwasser. Tägliches Wunder: den Wasserhahn nach links drehen und trinken können. Sag das einem Menschen, der drei Stunden zum nächsten Brunnen läuft. Er würde sofort tauschen wollen, und dann auch wieder nicht. Was sind Grundbedürfnisse?
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