Viel mediales Gerassel um das Ende des Zweiten Weltkriegs, die Unterzeichnung der bedingungslosen Kapitulation. Zu jener Zeit vor siebzig Jahren war der Pazifikkrieg noch nicht beendet, die A-Bomben auf die beiden japanischen Städte fielen Anfang August. Doch nun: Truppenparade in Moskau, Demonstration militärischer Stärke. Kuriosität: „Nachtwölfe“ auf ihrer Fahrt zum Sowjetischen Ehrenmal in Treptow. Polen läßt die Motorrad-Crew nicht passieren, so finden einige von ihnen einen Weg über Österreich nach Deutschland. Gerichte müssen eingeschaltet werden, um zu klären, daß sie das dürfen – nach Deutschland fahren und demonstrieren. Humorlos ist die Politik. Man hätte sie doch begrüßen können als interessante Gäste. Der Eindruck, daß insgesamt nicht gut miteinander gesprochen, auch kaum mehr zugehört wird, verfestigt sich. Die alten Wundkörper brechen auf und spritzen Eiter. Der Schorf bröckelte von Jahr zu Jahr. Solche Wunden kann man nicht vernähen. Geschehenes ist nicht ungeschehen zu machen. Angst ist Angst. Alle handeln aus ihrer Logik. Jeder Akteur zieht Konsequenzen aus seinem Trauma. Die Beteiligten handeln jeweils zugleich rational und irrational. Irrational deshalb, weil längst ein neues System über allem liegt. In diesem System sind alle Schmerzen aufbewahrt. Doch noch suchen die fleißigen und ängstlichen Akteure nach geeignetem Anschluß. Den findet niemand im eigenen Haus, der liegt draußen bereit.
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