Leiber und Seelen

Nachmittag, Abend, Nacht. Fröhliche Weihnachten. Musik: Mogwai, Come On Die Young. (Zuvor ihr Soundtrack zur französischen Wiedergänger-Serie Les Revenants, die ich sehr schätze.) Jemand schreibt, die Stücke seien schön, bereiteten aber schlechte Stimmung („puts me in a totally shitty mood“). Mir nicht. Ich fahre langsam und nachdrücklich entlang einiger Gedankenketten und schaue nach, ob die einzelnen Glieder rostig geworden sind. Eine Arbeit, die Sorgfalt erfordert und ein geübtes Auge. Manchmal erscheinen Bilder aus der allerjüngsten Vergangenheit. Ich höre vor kurzem gesprochene Sätze und lausche ihnen nach, ihrem Echo. Ein bißchen ärgere ich mich über den Eintrag aus der Nacht. Ich sollte nicht über Jesus spekulieren. Ich schiebe es auf den Mond. Der hielt mich wach, und da kamen die Fußweggedanken zurück. Ich hatte ja noch ganz andere. Doch als die Glocken auf mich einschlugen, hatte ich mit einem Mal das beängstigende Gefühl, man wolle mich besetzen und gefangen nehmen. Ich weiß, warum ich so fühle. Die Ahnen spuken herum an solchen Tagen, in solchen Nächten. Sie schlagen aufeinander ein. Ich bin der Kampfplatz. Der Kampfplatz spricht keine Sprache, auf ihm liegen die blutigen und toten Ergebnisse des Götterstreits. Er läßt sich vom unbeteiligten Mond mit schauriger Gleichgültigkeit segnen.


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