Leuchtende Augen

Menschen, die einander nötig sind, erkennen auf einen Blick. Die Verbindung ist gegeben, sie muß nicht erst geschaffen werden. Kennenlernen entfällt, die Seelen kennen sich seit Anbeginn der Zeit. Wie enge Vertraute finden sie sogleich zum Eigentlichen. Das Eigentliche ist das umstandslos Wahre. Umstände und Bedingungen sind großer Rede nicht wert – die vielgliedrigen Fakten und bunten Geschichten sind Anreicherungen, Zutaten, süßer Krimskrams.

Unmittelbar erkennen sie das eigene Lied und seine alte Melodie, hören den Herzschlag und bangen mit, sind bei Sinnen berauscht, auch überrascht von der Selbstverständlichkeit, mit der das Notwendige geschieht. Daß es dies gibt – das Leben nicht wüst ist und leer und die eigene Seele nicht allein und verdammt zu tapfer überspielter Einsamkeit, sondern auf einfache und einleuchtende Weise verbunden, so natürlich wie das Atmen oder abendliches Schwimmen in einem Waldsee, um den Bäume stehen und die Kiefern im Abendlicht leuchten.


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Leuchtende Augen

Ein Gedanke zu „Leuchtende Augen“

  1. Sebastian schreibt:

    In dieser nicht abreißenden Serie fantastischer Texte ein ganz besonders herausragendes Juwel. Danke für Dein wortgewaltiges Werk, Holger!

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