Die Temperaturkurve hat aufgegeben. Sie ist nicht mal mehr Kurve, lediglich Linie. Weder sinkt sie nachts, noch steigt sie tags, konstante 2 °C. Kaum Aktivität zu erwarten, die Ausschläge sind minimal. Nächste Nacht auf 0 oder -1, dann schnell wieder auf 2. Ein Vorbild an Nichtstun und stoischem Verharren. Von ihr läßt sich Januar lernen. Klänge es nicht häßlich, könnte man daraus ein Verb machen: Komm, laß uns januaren, ein jeder hübsch für sich. Im Februar ist zuviel los, im Dezember brennt die Weihnacht. Jetzt ist die Zeit, um mit sich selbst zu sein – mit den anderen ist nicht zu rechnen. Ich habe es probiert, sie reden Unsinn. Jetzt ist die Zeit, um glücklich zu werden, denn niemand steht im Weg. Endlich ist das Leben einmal planbar, nichts passiert. Das ist fast schon Luxus. Jetzt ist die Zeit, um sich selbst kennenzulernen. Wir sind völlig ungestört, lieber Januar.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.