Kinder, Kekse

Den gesamten Tag über nichts gesehen – nur Vorurteile. Vorurteile des Sehens, meines eigenen Sehens und eigentlich Nichtsehens oder Übersehens. Ich habe gesehen: Menschen in verschiedenen Situationen, Konstellationen, Positionen. Müde und trockene Begriffe mit wenig dahinter.

Einmal merkte ich auf: eine Kindergartengruppe mit jungen Erzieherinnen. Sie ließen die Kleinen gewähren, duldeten sogar die Rangelei der Jungen, die zu dritt auf einer Bank für zwei saßen und sich gegenseitig die Wollmützen ins Gesicht zogen, weil das lustig ist. Eine der Erzieherinnen blickte wehmütig und müde auf die kleinen Chaoten. Es war Freitagmittag.

Ich werde mich vom Januar nicht kleinkriegen lassen, las ich wenig später in einem Text von vor einem Jahr. Vorm Fenster die nassen Bäume, Sträucher und Wände; der Himmel unbestimmt. Dann sollte ich noch erklären, was ein Semikolon ist und wann es gesetzt werden darf. Schließlich gab es Butterkeks von Leibniz. Von den letzten zwei Keksen mit den 52 Ecken oder Schlaufen (der Hersteller spricht von Zähnen) erhielt ich einen – das war eine große Ehre.

Auch die Erwachsenen möchten eigentlich ehrlich sein, sie trauen sich nur nicht mehr.


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