Sich eine eigene Wirksamkeit schaffen

Die Namen solcher Bands wie Tocotronic oder Kettcar sind nicht zufällig gewählt. Sie demonstrieren Bewußtheit; die Musiker wissen von Herkunft, Prägung und Lebenswirklichkeit, unterliegen keiner Selbsttäuschung. Tocotronic benannten sich nach einer Spielkonsole, Kettcar nach dem Kindertretauto mit Kettenantrieb. „Die ganze Wahrheit ist, man hat uns nichts getan“, lautete Marcus Wiebuschs Resümee von 2005. Da war er Mitte dreißig und mußte sich doch dauernd umdrehen. Ob sie nicht hinter ihm her sind, die Ängste der Kindheit und die Schrecken der Adoleszenz. Bloß weg – „erst in die Hölle und dann zu Ikea, Die Ausfahrt zum Haus deiner Eltern seit einigen Stunden verpaßt“. Da klebt und zieht etwas, ein äquatorlanges, dehnbares Gummiseil, das nicht reißen kann, oder es besteht eine Schnurlosverbindung mit Richtungs-, Einstellungs- und Haltebefehlen vom Elternhaus hin zum ewigen Kind, das dort festhängt, als habe sich das Beste und Schlimmste damals ereignet und seitdem nichts Nennenswertes mehr. Daher die Weigerung, erwachsen zu werden, aus gutem Grund. Erwachsensein ist der schlimmste Feind eigener Auserwähltheit, eine nicht zu verzeihende Kränkung. Intensität ist kein Gefühl, schrieb Karl Heinz Bohrer (Jahrgang 1932, sogenannter Weißer Jahrgang, Habilitation über Ernst Jüngers Frühwerk und Die Ästhetik des Schreckens), doch ohne sie ist auch nicht viel los. Was soll man tun?


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