Werte

Gedränge an den Pfandautomaten, beide Schächte besetzt. Frage: Stehen wir in einer einzigen Schlange oder in zwei voneinander getrennten Schlangen – das beschäftigt das Volk. „Wir stehen doch in einer Schlange“, bescheidet die Frau vor mir und ergreift sich das Recht, ihr Erspartes jetzt einwerfen zu können, da der linke Automat wieder annimmt. Ich stehe unmittelbar davor, doch ich weiche ihrer Auslegung der Situation, ich mag nicht streiten. Während dessen schwitzt der ältere Mann am rechten Loch, denn eine Flasche ist ihm heruntergefallen und auf dem Fliesenboden zerschellt. Wir warten, er sieht mich hilfesuchend an, ich nicke ihm ermunternd zu, spreche die ersten Worte des Tages, sie lauten: Irgendwann wird es weitergehen. Er lächelt dankbar. Hinter mir steht nun eine füllige Frau aus Bayern mit rotgefärbten Haaren und grüner Strickjacke, die sich mit mir gegen die Pfandflaschensammler verbünden will. Ein Rom kommt mit einer Kinderkarre, vollgepackt mit vier großen blauen Müllsäcken voller PET-Flaschen und Getränkedosen. Er läßt den Hipster mit Jutebeutel, Kopfhörern und ein bißchen Bartwuchs an sich vorbei, das geschieht am linken Eingabeschacht. Nun rollt das Transportband auch bei uns, und die Bayerin hat sich beruhigt. Vielleicht ist sie froh, daß sie nicht Pfandflaschen sammeln muß für ihren Lebensunterhalt, jedenfalls schweigt sie. Der Mann vor mir ist nun fertig, er wünscht einen Guten Abend und geht zur Kasse. Ich werfe meine paar Flaschen ein, sehe ihnen nach, denke mir nichts dabei.


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