Was ein Text vermag

Ein Text kann interessieren, faszinieren, mobilisieren. Ein Buch kann in mir eine Explosion auslösen. Peng ist die Wirklichkeit verwandelt und ich laufe wie neu durch die Gegend: ermuntert und ermutigt, wachgerüttelt und aufgepeitscht, verwandelt und verzaubert, mit neuem Sinn begabt, entschiedener und entschlossener, bereit für ein besseres Leben. Denn manchmal lullern mir die Tage, das klingt wie pullern, also Pipi machen, lauwarmes Strullern, sie werden abgeführt, die Tage. Da passiert wenig, da verrichte ich meine Geschäfte, da brennt nichts, da kommt nichts, da bin ich fast schon aus. Da sind mir auch die lieben oder bösen Wörter nichts, ich kann sie kaum spüren, sie dringen nicht ein. Ja mag sein, kann auch nicht sein, weiß ich nicht, laß mich in Frieden mit Wörtern, Sätzen, Aussagen. Überall und dauernd diese Sprache, endloses Gerede, ein gegenseitiges sich Entleeren in müde Ohren. Dann weiß ich, daß es zuviel ist und ich allein sein muß, wenn auch nicht sprachlos (selbst wenn ich es wünschte – doch ich wünsche es ja gar nicht, denn mein Großvater verlor nach einem Schlaganfall sein Sprachvermögen und mußte noch einmal von vorn beginnen, Wort für Wort, ganz kostbar). Und dann schlägt ein Satz ein, ein Text, ein ganzes Buch – völlig überraschend, wie aus dem Nichts, wie ein Angriff. Endlich weiß ich wieder, warum ich lese. Nämlich – soll ich das auch noch sagen? – um weiterzukommen und in Stücke zu fliegen, recht schön metaphorisch, aber richtig gefühlt.


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