Tom Wolfe lesen

Tom Wolfe tot, viele Nachrufe, Fetzen eines Lebenslaufs, einer Karriere, Abwägungen, wem der Vorzug gebühre, dem Reporter oder dem Romancier, der weiße südstaatenaristokratische Anzug, dazu die Bezeichnung Dandy. Ich erinnere mich an das Überanstrengte in Wolfes Prosa, seine Versuche, mit sprachlichen Mitteln die Kluft zwischen Beschreibung und Beschriebenem zu schließen, um ebenso abgedreht oder cool rüberzukommen wie die Protagonisten seiner Reportagen und Portraits, eine Anverwandlung betreibend, die vom Heranschleimen nicht mehr weit entfernt ist. Da möchte einer unentwegt auffallen und sich beweisen – wie ein einsames, altgewordenes Kind, das nicht genügend Aufmerksamkeit und Anerkennung ansammeln konnte, um es ruhig angehen zu lassen. Weil seine hektische Prosa Nähe erzwingen möchte, kommt er nicht an die Leute heran. Ken Kesey und seine Merry Prangsters bleiben auch nach 558 Seiten feuer- und funkensprühender Erzählbemühung unbekannt. Selbst der Autor ist hinter seiner Artistik verschwunden. Zuviel Show, zuwenig Gefühl, eigentlich gar keins. Wer Wolfe liest, überläßt sich emotionaler Armut. Die läßt sich nicht gutmachen über das Mitgefühl.


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