Tom Wolfe lesen II

Da ich nicht ungerecht sein möchte, lese ich noch einmal in Das bonbonfarbene tangerinrot-gespritzte Stromlinienbaby (deutsche Übersetzung von The Kandy-Kolored Tangerine-Flake Streamline Baby), die Reportagensammlung von 1965, ebenso in The Electric Kool-Aid Acid Test, „Die legendäre Reise von Ken Kesey und den Merry Prangsters“ (1968). — Kurt Vonnegut hatte recht, Wolfe ist „a genius who will do anything to get attention“. Vielleicht ist er auch nur das Klatschweib der aufgeregten Jahre vor und nach dem menschenverschlingenden Wirbel des Summer of Love; vielleicht war er von der bunten Exzentrik der Heilssucher und Dropouts deshalb so affiziert, weil sie hatten, wonach er selbst suchte: einen auffälligen, unverwechselbaren Stil. Literarisch ist er der Mann, der punkten will, Satz für Satz muß ein hoher Score erkämpft werden. Vergeben werden Originalitätspunkte. Wolfe gönnt niemandem eine Verschnaufpause, weder dem Leser noch sich selbst. Da kämpft jemand mit Beweisstücken eigener Leistungsfähigkeit um sein ganzes Leben.


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