Wo die Trauerweide stand

Himmel bedeckt, kühle Luft, kein Regen. Geräusche der Blätter, wenn der Wind durch sie geht. Die Vögel machen weiter und singen laut. Ich hätte heute aufhören mögen, aufhören mit Leistung. Es wie Onkel Adolf machen, er legte sich zur Mittagszeit in einen Sarg und hielt ein Nickerchen. Er war Tischler im Unterdorf am Ortseingang, ich sehe ihn ganz genau vor mir, obwohl er seit langem tot ist. Seine sanfte Art, die blauen Augen, er schimpfte selten. Die Särge standen aufgebockt, er lieferte sie auf Bestellung. Er trug einen grauen Kittel und auf dem Kopf saß eine Schirmmütze, ich sah ihm gerne zu, wenn er mit dem Hobel über das glatte Holz fuhr und mit der Hand prüfend darüber strich, den Bleistift hinterm Ohr. So ist es gut, sagte er, wenn es gut war. Er sprach nicht viel, war im Krieg gewesen. Uns Kinder mochte er, die Erwachsenen vielleicht nicht so sehr. Ich kann das nur vermuten, sicher weiß ich es nicht, kann auch niemanden mehr fragen.


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