Schön auch, Krawatten zu sehen, die Bürgertracht, jemand hat den bunten Strick um den Hals, macht sich erkennbar als einer, der sich bezahlen läßt für das. Ich selbst hatte Strick um den Hals, als ich Aushilfskellner war, weiße oder schwarze Hemden trug, eine weiße Schürze, eine schwarze Weste, in einem Café arbeitete, in einer Bar, die berühmt und berüchtigt war für die arrogantesten Kellner der Stadt. Die Stadt war klein, das läßt sich denken. Wir servierten Frühstück, Mittagessen, Kaffee und Kuchen, Wein, Bier, Cocktails, Longdrinks, Haltung und Benehmen. Tagsüber spielten wir Klassik, nachts Jazz. Die blaue Stunde dazwischen. Da war Zeit. Vor allem im Winter, auch schon im Herbst. Wir räumen auf, wischen die Tische. Aus der Küche kommt Rebecca, wünscht sich einen Kirsch-Bananen-Saft, nickt freundlich und eilt zurück. Zwanzig Jahre her, nicht schlimm, daß es zwanzig Jahre her ist. Krawatten machen mich mißtrauisch, das wollte ich sagen. Mit Strick um den Hals handelt man nicht in eigenem Namen. Sollte das bestritten werden, ist es mir recht. Wer aber waren wir damals, diese strengen Kellner in dieser kleinen Stadt mit den paar tausend Studenten? Wir waren etwas Aufgeblasenes und Überhebliches, wir wollten so viel. Deshalb mußten wir so tun, als wüßten wir schon oder könnten es.
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