In einer Besprechung gelesen, nun sei er endlich doch noch erwachsen geworden. Schräges Kompliment für einen Autor, der durch autobiographische Romane bekannt, wenn nicht berühmt geworden ist, in denen „haarklein“ gezeigt werden sollte, wie wirkliches Leben verlaufen kann: als quälend langer Prozeß einer Sinn- und Selbstsuche, Selbstvergewisserung durch Desillusionierung, des Freikommens von Vorbildern und ungeeigneten Vorstellungen. Eine peinigend schonungslose Künstlerautobiographie in mehreren dicken Bänden, ironisch Mein Kampf genannt, nebenbei europäisches Generationenportrait, Karl Ove Knausgård ist Jahrgang 1968. Nun also erwachsen geworden, Ausgang gefunden aus narzißtischer Selbstbespiegelungsprosa, Blick frei bekommen auf Menschen und Dinge, die nicht dem Selbst dienen, sondern ganz für sich sind oder sein könnten. Na, ist doch gut. Aber wer bescheinigt wem ein Erwachsensein? Manche suchen ein Leben lang oder suchen am falschen Ort oder wissen nicht, wonach sie suchen. Wer könnte das wem vorwerfen? Und wie stellt sich ein Kritiker einen erwachsenen Künstler vor, da doch jeder weiß, daß das Kindliche nicht sterben darf, wenn Schönes und Wissendes entstehen soll. Man muß durch vieles durch, auch durch die eigenen Fehlversuche und möglicherweise Dummheiten. Aber Vorsicht, das suggeriert, auf sie hätte verzichtet werden können.
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