Nachtrag zu Das Gegenteil von Dissoziation: Das Ich gewöhnt sich mit der Zeit an seine widerstreitenden Bestandteile, auch daran, weitestgehend nur zusammengesetzt zu sein. Das Ich ist das Integrativ. Hier stellt sich die Frage nach dem Wesen. Ich gehe bisher davon aus, daß ich nicht nur ein Wesen bin, sondern auch eines „habe“. (Dieses Wort in Anführungszeichen, da ich nicht wirklich über mein Wesen verfügen kann.) Erkennbar ist es vielleicht an der Art, wie ich etwas denke, fühle, tue oder sage. Es ist nicht Information, sondern der spezifische Umgang mit ihr. Das Wesen drückt sich unterschiedlich aus. Es möchte sich ausdrücken und entfalten, doch ist dies kontext- und situationsabhängig. Manchmal scheint es sich nicht zu melden oder es buddelt wie ein Maulwurf unterirdisch Gänge oder tut rein gar nichts. Wesen schläft dann. Aber das stimmt ja auch nicht, denn selbst wenn es faulenzt, tritt es ja durch die Art und Weise meines Sitzens, Liegens und Schweigens in Erscheinung. Ob ich das möchte oder nicht. Im Traum geschieht sonstwas … Staunenswert. Wesen ist ständiger Begleiter, es wohnt inne, es heftet an. Vielleicht sollte ich diese Aussage umdrehen und radikalisieren: Ich (die Zusammensetzung meines Namens (doch der Name ist wurscht) und meiner lebendigen Gestalt) bin der ständige Begleiter meines Wesens, ich hefte ihm an. Dann hätten wir wieder so etwas wie Seele. Ich war nie gegen Seele. Am schönsten spürt sich Seele, wenn sie freikommt und vibriert wie ein Schmetterlingsflügel (Kitsch muß sein). Am schlimmsten spürt sich Seele, wenn sie eingepreßt wird. Dann fühlt der Körper sich an, als stehe ein Elefant auf der Brust oder ein fetter Ochse. Der Körper drückt aus, was Seele empfindet. Sie gehen zusammen durchs Leben. Der Körper trägt sie. Das macht er gut. Fehlt nur noch das Herz. Ach, daß man so wenig weiß. Ich habe eine Idee: Herz sorgt dafür, daß beide zusammenhalten. – Ich höre schon die Mediziner lachen. Das gefällt mir. Ich habe es gern, wenn ich Menschen zum Lachen bringen kann. Sie sollten aber auch tanzen, denn das tut dem Blutdruck gut und stärkt die Muskeln. Die geleugnete Seele freut sich heimlich. (Das Gehirn nehmen wir später dran.)
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