Die Geräusche vom Rummelplatz trägt der Westwind an mein Ohr. Alle paar Minuten, wenn die Kreis- oder Bahnfahrt wieder losgeht, ein akustischer Schub, ein Rutschen und Tempomachen. Ein hoher Ton, der sich beschleunigend in die Tiefe stürzt und gleich darauf wieder aufsteigt, himmelwärts. Der Geräuschkulisse eines Flipperautomaten entnommen oder der Klangwelt eines Science-Fiction-Films der siebziger Jahre. Dann wieder Schußgeräusche wie aus einer Hollywood-Laserkanone, nur daß Laser lautlos sind. Doch wen interessiert das? Mit den Geräuschen kommen Bilder und Gerüche. Nein, sie kommen nicht, sondern werden von den Geräuschen aus meinem Gedächtnis aufgerufen: Zertretener Rasen und Matschwege, der Gestank der Toilettenwagen. Die Reihe der Wohnanhänger und Transporter. Die Autoscooteranlage mit tätowierten Einparkern und Ausparkern, den Vollprofis, die hinten auf dem Wagen mitfahren, sich an der Leitstange festhalten, ein paar Sekunden nur, um dann auf einen anderen, entgegenkommenden Wagen zu springen. Von den Mädchen, die am Rand zusammenstehen und kichern, etwas widerwillig bewundert. Jungs sind nicht weit. Großer Rummel der erblühten Geschlechter. Bartflaum und Brüstchen. Wildschweine schießen am Luftgewehrstand. Als Preis für den Schützen eine Pfauenfeder. Bratwurst und Bier. Die Achterbahn mit Absturz in die Tiefe ohne Wiederkehr. Dann doch weiter auf der Kreisbahn des drohenden Todes. Schrille Schreie. Noch Lust oder bereits Schrecken? Die Krake mit den kreisenden Gondeln auf hydraulisch gehobener Bahn. Halten die Bolzen solchen Belastungen stand? Darf man gar nicht fragen. Drehmomentschlüssel her und festratschen. TÜV prüft. Lichterketten, Lichterreihen, Girlanden, Stroboskope, Leuchtschriften. Zuckerwatte-Kinder zwischen Altrockerpaar mit Kutte, beide taumelnd. So ein Tag, so wunderschön wie heute. Um die Stämme der geduldigen Bäume Bretter gespannt, damit die Rinde nicht verletzt wird. Geisterbahn. Hau den Lukas. Tut man doch gern. Im Bierzelt Gruppen von Leuten, die man sonst auch sieht. Hundebesitzer und Kiezprominenz. Alle fast schon hacke. Aber einer geht noch, einer geht noch rein. Was für ein schöner Sonntag dank der Maientage in Neukölln. Später einmal ist dies ein Dokument.
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