Das Café im Garten

Manchmal so müde, daß ich weinen möchte. Nicht weil die Schmerzen zunehmen oder das Leid, sondern weil ich keine Kraft mehr habe, in Sätze zu setzen, was mich befreit. Sie oder er ringt um Ausdruck – das sagt man über junge Dichterinnen und Dichter. Ich ringe nicht um Ausdruck, das habe ich hinter mir. Ich ringe auch sonst nicht sonderlich, bin nur kaputt von dieser Arbeit, die ich leiste und die mich frißt. Manchmal so müde, daß ich mich nicht mehr zu wehren weiß. Sie baldowern irgend etwas aus, und ich soll darin diese oder jene Rolle spielen und mitmachen. Mache ich mit, spiele die Rolle, sogar gut. Aber vorgestern war es anders, da war ich unterwegs, da fand ich ein Café, da lief ich nicht meine üblichen Strecken. Woanders sein, körperlich, sinnlich, gedanklich. Sofort kamen die richtigen Sätze und ich fühlte mich wie seit langem nicht mehr frei. Am Fenster saß eine Dame, die mit einer Zeitung versuchte, eine Mücke zu erschlagen. Ich mußte kurz lachen, sie reagierte nicht. Ich schrieb: Die Leute hier sind etwas verstockt und gehemmt, da sie sich dauernd vergleichen. Manchmal so müde, daß ich abtauche und unten bleibe und durch ein Schilfrohr einatme. Auf der Wasseroberfläche blubbert es leise, das sind die Zeichen, mehr gibt es nicht. Im Café war es richtig, alles war auf Abstand, nur eine leise Spur zu lieblich. Dies könnte eine Reportage werden.


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