Formen von Gewalt und Bewegung

Druck und Sog. Es ist der Unterschied zwischen schieben und ziehen, geschoben oder gezogen werden. Wir werden bewegt wie das Wasser im Spülbecken oder ein kleiner Gegenstand im Abwaschwasser, sagen wir eine kleine Nudel. Die trudelt eine Weile hin und her, gerät in die Kreisbahn des Strudels, wird endlich eingesogen und hinuntergezogen in den Abrund. Das macht der Sog. Warum wird der Sog von Menschen positiver erfahren als der Druck? Liegt es tatsächlich daran, daß die unmittelbare Berührung zu fehlen scheint und seine Kraft und Gewalt verschleiert sind? Der Sog suggeriert dem Angesaugten, es dehne sich aus, während Druck als Stauchung empfangen wird, als Schub- oder Stoßimpuls. Sog erhöht die Beweglichkeit, öffnet ungeahnte Räume und schafft kurzfristig Möglichkeiten, während stumpfer Druck in nur eine Richtung weist und das Gedrückte linear verschiebt. Es ist der Unterschied zwischen Dorthin soll ich und Dorthin scheine ich zu wollen. – Nun ist es spät oder früh: das eine saugt, das andere drückt. Sog ist die Kraft des Unterdrucks. Da ist vorher etwas weggenommen worden oder hat sich entfernt. Sog auch der Leere, Sog des Abgrunds. Fülle mich, ruft es. Sog der Tiefe, hoch oben stehend auf einem Gebäude, in der Schlucht unten der Asphalt wie das graue ferne Ziel eines Fluges ohne Wiederkehr. Vorsicht, Schwerkraft, reiner Sog.



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