Tage so tief wie ein Grab

Der 10. März war gut, um sich aufzuhängen. Einsamkeit macht die Menschen kaputt, Zweisamkeit entfremdet sie nur. Kaffeesatz, Bodensatz. Der 10. März war ein Sonntag, der Vorgesterntag. Tag der Stockung, Tag der Last, Tag allumfassender Ratlosigkeit. Es gibt diese Tage puren Überstehens. An denen geht es ausschließlich darum, das zu schaffen. Jegliches anderes Begehren grenzt an Vermessenheit. Solche Tage wissend und spürend hinzunehmen, ohne panisch zu werden, ist klug, fast schon weise. Es ist gut, Tagebücher zu lesen. Da steht drin, was andere vor uns erlebten und erlitten. Es geht nicht um die Frage, ob das Leben leicht oder schwer ist. Ich habe mir selten ein leichtes Leben gewünscht – davon hätte ich nichts. Ich habe mir nie ein schweres gewünscht. Mein Leben hat sein ureigenes Gewicht, ich bin bereit, das zu akzeptieren. Jetzt, da der Sonntag überstanden ist. Kurz nach Mitternacht wurde es mit einem Mal leicht, und lebte dann auch.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Tage so tief wie ein Grab

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert