Jetzt ist Samstag

In der Halle der abfahrenden und einfahrenden Züge war es am Donnerstag zur Mittagszeit gedrängt voll und beengend. Es war nicht allein beengend, es war bedrückend, und das lag an mir. Ich hätte die anderen Leute stehen, gehen, sich drehen lassen sollen, sie nicht näher betrachten. Denn ich sah die abgrundtiefe Traurigkeit erwachsener Menschen, die in den Kostümen ihres Seins auf und ab schritten. Sie sinnierten, telephonierten, warteten. Die Bahn hatte neun Minuten Verspätung, da sammelte sich was an. Ich saß auf einem Drahtsitz in Viererreihe und sah hinauf zur geflickten Decke der Wartehalle, an der sie Gipsplatten festgetackert haben, damit kein Bröckelzeug herunterfällt. Die Halle ist groß, man müßte ein Konzert dort veranstalten, die Akustik ist gut, die herumziehenden Musiker wissen das. Ich sah die Gesichter auf den bekleideten Körpern, die unterschiedlichen Ausdrucksformen solch bewegter oder erstarrter Einheiten, die Choreographie der gemeinsamen Einsamkeit. Ich hätte schlucken und schluchzen sollen, stattdessen lief etwas Salziges aus meinen Augen, ich wischte es weg. Wie schaffen wir das? Ich war ratlos ganz und gar.


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