Europa als Wahlkampfthema. Dieser Slogan wurde getextet für die FDP: „Weil wir Europa lieben, wollen wir es verändern.“ Solche Liebe wirft Fragen auf, in unterschiedliche Richtungen. Politik und Liebe? Wir raten ab. Und was sagt Europa, könnte sie sprechen, zu solchen Liebensbemühungen und -bekundungen? Wie geliebt wird sie sich fühlen, da sie anschließend und offenbar im Handumdrehen verändert werden soll? Was ist denn so falsch an Europa, daß viele sie ändern wollen? Nichts ist an ihr falsch, wir wissen es doch. Man muß sie schützen vor den Schürzenjägern der Ökonomie und der Zweckrationalität, die sich ihre Europa wie eine Luxusnutte halten wollen. Sie soll liefern, um in der Sprache der FDP zu reden. Das ist widerwärtig, und das wissen wir. Europa ist keine Marktveranstaltung und Verwaltungseinstellung, auch wenn sie es wieder und wieder so angehen werden. Technokraten lieben so. Europa ist eine Schönheit, die im Glanz ihrer Unterschiedlichkeiten erstrahlt. Sie wird täglich (all diese Reden) mißbraucht, da entlastet es, daß sie Allegorie ist. Unruhiges Gebiet, dieses kontinentale Europa, Lebensraum zahlreicher Genies, derzeit geistig unterernährt, phrasenhaft wie alle Welt, auch dummgestellt und ängstlich fuchtelnd mit kurzem Arm, wie ein greinendes altes Kind, voller Angst vor dem, was kommt. Es kommt die Digitalisierung, vorher war die Globalisierung. Anschließend gehen wir gemeinsam zur Dialyse.
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