Nachtfahrt auf Bruce Springsteens neuem Album Western Stars, soeben erschienen, genieße das seltsame Privileg, einer der ersten Hörer zu sein, die Fans schlafen noch und hören später. Ich bin meistens wach. Was hat der Multimillionär und Superstar mit mir zu tun? Geld beeindruckt mich nicht, das darf ich sagen. Ich gönne jedem alles, selbst jenen, die ich nicht mag. Umgekehrt interessiert mich – wie schlägt das Herz eines Heimatlosen, eines Mannes, der sich viele tausend Abende auf die Bühne gestellt und den Erwartungen und Bewertungen eines hart arbeitenden Publikums, das zahlen muß, um ihn zu sehen, „the boss“, ausgesetzt hat? Lebt er noch, streckt er sich nach dem Unmöglichen, versteht er seine Kunst, die eine des Suchens und vorläufigen Findens ist (verstehe ich recht)? Oder ruht er sich aus (nicht unverdient) und setzt auf Wohlklang und Fülle, auf die Routine eines Gewußt-wie? Gott, wie streng das klingt. Ich schäme mich. Wen interessiert Bruce Springsteen, wer interessiert sich dafür? Ich tue das, ich habe ihn begleitet, hoffend und bangend. Er war einer derjenigen, die mich bleibend unterstützten. Entlang seiner Songs entwickelten sich Vorstellungen von Leben, Freiheit, Würde. Nachtfahrt beginnt mit Hitch Hikin‘. Das ist gut, damit kennen wir uns aus. Mal sehen, wer uns mitnimmt. Wohin wohin? Nach Mexiko.
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