„Philosophen reden über Ideen, als seien das losgelöste Wesenheiten und nicht menschliche Erfahrung. Man soll nicht psychologisieren, sagen sie. Gut, aber wie kommt ein Mensch auf Gedanken, welche sind es denn und warum diese? Deshalb fürchten, hassen oder verachten sie auch Nietzsche, der darauf hingewiesen hat, wieder und wieder. Daß das Leben sich nämlich eine Philosophie schafft, um leben zu können. Die Philosophie schwebt nicht erkennend über allem. Die „Wahrheit“ als das, was zutrifft … Aber was trifft zu? Vieles trifft zu – für sie, für ihn, für dich und mich, für den nächstbesten Fremden und den nächstbesten Freund. Denken ist psychologisch, deshalb aber längst noch nicht der geltenden Psychologie zugänglich, die uns mit ihrer Einfalt und Faktensammelei anödet oder lachen macht. Wir wollen doch gar nicht eingerenkt werden, wir wollen verstanden und angenommen sein. Dann renkt sich vielleicht etwas ein.
Leiden macht denken. Man kann ja gar nicht anders. Von diesen Zusammenhängen will die akademische Philosophie nichts wissen. Sie stellt sich kalt und gibt sich nüchtern. Das mag hin und wieder ein angemessenes Verfahren sein, damit das Feuer des Lebens eingegrenzt bleibt. Doch so zu tun, als könne ein jegliches Objekt sein und wir hätten nichts mit ihm zu tun, ist verwegen. Das Objekt redet nicht. Wir lassen es sprechen – das ist der Punkt. Aus diesem Grund ist Philosophie auch ’nur‘ Literatur. Meta-Literatur vielleicht, eine abstrakte Erzählung über Geister.“
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.