Positive Gleichgültigkeit II

Auch Fight Club (1999) sah ich verspätet, auch er wurde mir angejubelt. Als ich ihn schließlich an mich ließ, erlebte ich eine der unterhaltsamsten und intelligentesten halben Filmstunden meines Lebens (den Anfang). Die therapiesüchtigen Protagonisten tingeln leidenstouristisch durch die Opferfraktionen einer total abgewrackten Zivilisation, die ihren menschlichen Schrott nicht auf den Müll wirft oder vor die Feinde, sondern in Therapiesitzungen abschiebt. Als dann der eigentliche „Fight Club“ eröffnet wird, verlor ich nach und nach sämtliches Interesse. Ich komme auf den Film, da er ein ästhetischer Zwilling von Matrix zu sein scheint. Schmutz, Dunkelheit, Ungeziefer, versiffte Etablissements, Scheiße an der Wand, tropfende Decken, ausgehöhlte Existenzen, versiert klingendes Verschwörungsgefasel. Ein verwackeltes Gegenbild zum Produkt- und Lebensdesign, das damals richtig in Schwung kam und schätzungsweise ein bis zwei Generationen kontaminiert hat. (Die Abwehrkräfte waren geschwächt. Wer nicht immun ist, wird infiziert.) „Werbung macht uns heiß auf Autos und Klamotten, wir arbeiten in Jobs, die wir hassen, nur damit wir Scheiße kaufen können, die wir nicht brauchen.“ Allmählich dudelt es sich durch, von 1999 bis ins Jahr jetzt. Daß wir nicht … daß wir doch … daß vieles hätte anders … wenn … Schlechter Empfang, vielleicht höre ich schwer. Daß wir das alles hätten wissen … Wer hat den Popel auf die Linse gedrückt, ich sehe nicht, wer da spricht —


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