Wenn Eugen Drewermann spricht, dieser ernste Mann mit dem großen Haupt, den schmalen Lippen und den seltsamen Augen (sie sind nicht kalt, aber es wird auch nicht warm) – spüre ich Beklommenheit. Der Sprecher spricht, was er spricht, zu sich selbst und in sich hinein, ganz gleich, wie groß das Auditorium ist und wie ergriffen es lauscht. Er spricht ohne Manuskript, kennt alle seine Texte, es sind getarnte Meditationen, Autosuggestionen. Wovon handeln sie? Von der Befreiung von Schuld und Scham, der Umkehr, dem Innehalten, der Besinnung, der Liebe, der Vergebung, der Heilung, psychotherapeutisch und theologisch, rhetorisch und pädagogisch. Ein christlicher Menschheitslehrer, der in Jesus den idealen Menschen verkörpert sieht. Ich weiß nicht, in welcher Kälte Drewermann aufwuchs, nur daß sie sich vermittelt, selbst wenn er von Wärme, Geborgenheit und Vertrauen spricht. Er publiziert und predigt pausenlos, da ist etwas, das ihn treibt. Vielleicht ist er auf der Flucht, vor der Todesangst und dem Schrecken, wie ich vermute. Während er spricht, weint er, ich bin mir sicher. Es hat nie aufgehört, aus ihm zu weinen.
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