Während der Fahrt in der Schnellbahn lag mit einem Mal etwas am Boden, zerbrechlich und bunt, papieren und leuchtend. Es mußte durch das geöffnete Fenster hereingekommen sein oder hatte irgendwo gesessen, weiter oben, vielleicht auf einer Sitzbanklehne. Ein Schmetterling, ein Kleiner Fuchs. Er lag auf der Seite wie tot, dann griff der Fahrtwind unter und ließ ihn lebendig erscheinen, es war, als flöge er sogleich auf und verzauberte den Waggon, mittags an einem strebsamen Dienstag, draußen noch goldener Oktober. Als ich ausstieg, lag er weiter dort unten zwischen den Beinen und Schuhen. Niemand war auf ihn getreten, selbst die nicht, die zwischendrin hatten aussteigen müssen und für die er unbemerkt geblieben war. Ich weiß nicht, ob er noch lebte, ob er jetzt noch lebt. Solches weiß man einfach nicht. Es ist nicht kalt, nicht einmal jetzt, dreizehn Stunden später.
Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.