High Five

Ich kann amerikanische Fernseh- und Filmfamilien nicht ausstehen. Meine Mutter nannte das, was dort zu sehen ist, Affenliebe. Sie tat den Affen damit Unrecht. Wie geht es dir, mein Schatz – Daddy liebt dich – Sportsfreund, so spät noch auf … Das Künstliche daran scheint wenig aufzufallen, denn das Künstliche ist normal. Normal ist ein Wort zweifelhafter Herkunft und Qualität. Normal ist jederzeit sonstwas, manche implantieren sich was unter die Haut, damit sie in den Sicherheitsbereich gelangen dürfen, ohne eigens eine Karte einzuführen oder einen Code einzugeben. Ist doch praktisch, spart Lebenszeit. Kitsch ist der Klebstoff solcher Fernseh- und Filmfamilien. Süßes Zuckerzeug, Liebe parodierend, wertlose Liebe, Kitschliebe, Blödsinnsliebe. Dazu diese Eigenheime – Horror. Eigen und Heim – weder eigen noch Heim. Vielleicht später einmal, wenn die Bank befriedet und die Kinder aus dem Haus sind und der Kaminofen knattert, vielleicht fühlt es sich dann an wie ein Heim. Vorher das elende Bangen und das heimliche Grauen vor dem Abstand zwischen Menschen, denen Nähe befohlen ist.


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