In Frieden

Wenn ich von Märschen und Kämpfen lese, von den Strapazen des Überlebens und den Torturen des Tötens, muß ich die Worte gegen Bilder tauschen und mir zu den Bildern Erlebnisse und Erfahrungen herbeirufen, um auch nur in die Nähe eines Verstehens zu gelangen. Doch woher soll ich die Erlebnisse nehmen, ich verfüge über keine Kriegserfahrung. Ich war fünfzehn Monate bei der Bundeswehr und habe dort meinen Grundwehrdienst abgeleistet, das war alles. Ich habe mit Leuten gesprochen, die wurden auf der Flucht beschossen und kamen durch. Ich habe Filme gesehen, in denen gekämpft, geschossen und gestorben wurde. Mein Vorstellungsvermögen hat sich über die Jahre entwickelt, ich zucke zusammen, wenn mit einem Messer in einen Filmkörper gestochen wird oder aus der Halsschlagader das Blut spritzt, stoßweise. Da schmerzt bereits das Zusehen, und manchmal ärgert es mich, wie leichtfertig auf dem Bildschirm Blut vergossen wird. Laßt die Helden leben und behandelt die Schufte gerecht, aber nicht grausam. Später liest man solche Sätze und denkt: die hatten es gut damals.


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