Flammendes Licht- und Wolkenschauspiel eines Sonnenuntergangs. Formen und Figuren, Strömungen und Wirbel, ewiges Drama von Ausdehnung und Verdrängung. Wladimir der Wolkenmaler. Das Tempelhofer Feld, eine unmenschliche Landschaft, entworfen für Großmaschinenmaße und Marschkolonnen. Letzte Läufer liefen heimwärts. Jenseits des Zauns Stadtautobahn und S-Bahngleise. Ich filmte einen vollbesetzten Zug, der ostwärts rollte in die Dunkelheit hinein, und hätte in jenem Moment, als ich es tat, schwören mögen, nie zuvor etwas derart Seltsames gesehen zu haben. Stehende und sitzende Leute in Lichtkabinen – eine Trachtengruppe, ein Gesangsverein, ein Debattierklub, eine Clownsnummer? Waggon für Waggon diese beweglichen Spielfiguren, wie Schattenrisse, wie Visionen eines verrückten Zeichners. Dazu die behäbige Schnelligkeit der stets wuchtig wirkenden S-Bahn, die brav ihre Ringbahnkreise zieht, gegen und mit dem Uhrzeigersinn. Mit der Dunkelheit wird alles Helle doppelt hell und auch grell und schreit auf. Vielleicht empfand ich die Leuchtkäfige auch als gemütlich, nur daß sie unterwegs sein mußten, während ich im Gras stehen durfte und anschließend gehen. Wie flüchtig vieles ist, und doch kann ich es gar nicht vergessen.
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