Später

Da der Wind nun fort ist, erscheint die Welt wie gereinigt (und erlöst). Ein Morgen mit Vogelsang und straff gespanntem Himmelstuch. Die Sonne lacht wie auf einem Kinderbild. Das meiste ist noch an seinem Platz: Dächer, Ziegel, Blumentöpfe. Haare auf dem Kopf, Mütze auf dem Kopf, im Kopf die Gedanken. Auch sie nun beruhigt. Wir sind leicht zu verstören, doch kaum sind wir verstört, merken wir nicht, daß wir es sind. Wir? Nein, nicht wir – die Anderen. Das sind die, über die man sich wundert. Wen macht der Wind als nächstes verrückt? Daß er fort ist, kann ich noch nicht fassen. Draußen Sirenensignal, Notarzteinsatz. Es dunkelt, die Lichter funkeln, die Nacht tritt auf. Das Himmelblau war so schön.


Entdecke mehr von holger tegtmeyer / texte und tage

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Später

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert