Tinte und Feuer

Alles wie bisher, nur mehr und schneller. — Etwa so lautete die stupide Zukunftserwartung, die ich die letzten Jahre hörte. Ein resignierter Futurismus, demzufolge alles kommt, wie es kommt, auch geplant zu sein scheint. Pi mal Daumen das Ganze, die „bisherige“ Entwicklung kurzerhand extrapoliert, schon ergibt das: Zukunft. Auf die sich, interessanterweise, niemand freut. Man wird dabei sein müssen, falls man nicht unerwartet stirbt oder unausweichlich verblödet. Noch mehr technischer Klimbim, noch mehr Features, noch mehr Komfort, bloß nicht abhängen lassen. Ein gehetztes Up-to-date-Sein – freudlos, sinnlos, alternativlos. Viel Tamtam um die sogenannten Neuen Medien, und Marshall McLuhan hatte recht: Das Medium ist die Botschaft. Wie also zum Teufel komme ich auf die Idee, es werde ein Comeback des Briefes geben? Nun, ich sehe die gigantischen Leerstellen und Freiräume, die die technisch gängigen und aktuell populären Kommunikationsplattformen nicht besetzen können, indirekt sogar erschaffen. Denn da wird unaufhörlich geräumt und verlassen. Da klafft etwas auf, eine ganze Provinz! Der Impuls, sie zu entdecken, zu besiedeln und zu bewirtschaften, wird von den ganz Jungen kommen, von denjenigen, die am empfindlichsten darauf reagieren, wenn Sinnfragen mit Fleiß und Bedacht umgangen werden (müssen). Bereits jetzt wirkt Chatsprache seltsam veraltet, wie ein Phänomen aus der bereits etwas ranzigen Pubertät von Erwachsenen, Leuten über dreißig, die auf lustig machen, eigentlich mehr können sollten und könnten als das, was sie dort abliefern. Falls meine Beobachtungen zutreffend sind, ging es bis vor kurzem nämlich darum – nicht erwachsen zu werden. Fortwährendes Jugendlichsein, ein anstrengender Erwachseneninfantilismus, Emoji-Regression. (Laß uns niedlich wirken, damit niemand merkt, wie brutal und ignorant wir sind. Wir wissen sehr genau, wo der Hase lang läuft, und wir knallen ihn ab.) Diese süße Grütze als Nachspeise zu Vorteilserwirtschaftung, Selbst- und Mitarbeiterausbeutung, Verschleuderung der kostbarsten Ressourcen – damit es uns gut geht. Mir geht es nicht gut. Geht es irgendwem gut? Wie nur? Warum nur? Gefällt Euch die geschaffene Wirklichkeit, fühlt sie sich echt an, haltbar, empfehlenswert? Dieses Ostern ist mir nicht fromm zumute, eher habe ich Lust auf ein paar Kämpfe.


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