Bilder und Bedeutungen

Es ist 3:27 Uhr und ich möchte gern noch etwas sagen: Es ist leicht, ein Leiden, das man nicht selbst spürt, unbegründet zu nennen. Es ist leicht, die Freude zu rühmen, wenn man sie kennt und wieder erwartet. Es ist leicht, sich dort auszukennen, wo man schon einmal war. Doch es gibt auch jene andere Wahrheit, die Wahrheit der Ausgeschiedenen, Abgeschriebenen, Unverstandenen, Zurückgebliebenen, Vorausgeeilten. Sie tragen auch etwas bei zum Bild dessen, worum es geht, wenn es um etwas geht.

In diesem Raum ist mehr, als ich sehen, hören oder spüren kann. Sehr viel mehr. Ich möchte mein beschränktes Suchen, Tasten und Begreifen niemals für die Wahrheit ausgeben, sondern stets als Beitrag sehen und verstanden wissen wollen. „Die ganze Wahrheit“, das ist Boulevard oder Glaubensbekenntnis. Ich glaube an die Fehlbarkeit des Menschen, an Fehleinschätzung, Fehlannahme, Fehlalarm. Wir gehen durch die Bilder, die Bilder gehen durch uns. Es ist nicht Aufgabe der Bilder, Bedeutung zu tragen. Die schleppen wir heran, die Beladenen.

Wir laden alles ins Bild und werden auf diese Weise wieder leicht. Deshalb ist es gut, ein Bild zu schaffen oder zu finden. Da es aufnehmen kann. Dieses Aufatmen angesichts eines sinnvollen Bildes. Als werde nun alles gut oder einiges besser. Kunstwerke bannen, hätte ich früher gesagt. Jetzt, da es 3:56 Uhr ist, denke ich eher, daß sie Herberge sind.


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